Ich gehöre zu den 2 % der Erwachsenen in Deutschland die noch Bettnässer sind. Nasse Betten und vollen Windeln haben schon immer zu mir gehört. Ohne Windeln würde ich in einem See aufwachen, der Dimensionen des Bodensees hätte. Ist natürlich etwas übertrieben. Die unangenehme Gerüche und das nasse Bettzeug könnten auf Dauer schon nervig werden. Da schlafe ich lieber in einer nassen Windel.

Für meine Eltern war es damals normal, mich mit 5 Jahren noch zu wickeln, da ich jede Nacht ins Bett machte. Manchmal musste ich sogar tagsüber welche tragen. Als ich erfuhr, dass mein Bruder mit 2 schon trocken war, habe ich die Windeln schon gehasst und verflucht. Ich habe mit dem trocken werden, halt etwas länger gebraucht. Dank des Bettnässens wurde ich zum Windelliebhaber. Diese hat sich schon in meiner Kindheit bemerkbar gemacht und erkannte recht schnell die praktischen Vorzüge einer Windel.

Eine Ursache steht bis heute nicht fest, obwohl schon zahlreiche Untersuchungen durchgeführt wurden. Dabei empfand ich die Blasenspiegelung am schlimmsten. Womöglich ist es auf mein Tiefschlaf und geringes Blasenvolumen zurückzuführen. Der Arzt meint, dass mein Gehirn falsche Signale zur Blase sendet. Obwohl ich nicht auf dem Klo bin, Nässe ich ein. Bettnässen ist ohnehin nicht immer behandelbar. Bei vielen verschwindet es, wie es gekommen ist. Mit der Zeit kam bei mir eine Reizblase hinzu, was die Folge hat, das ich öfters aufs Klo muss, als beispielsweise meine Freunde.

Zumindest in den eigenen vier Wänden, sprich in meinem Zimmer, bekommt niemand etwas mit, selbst vor meiner Familie und Freunden halte ich es weitgehend Geheim. Als ich 15 Jahren rückfällig wurde, haben meine Eltern drei Jahre nichts mitbekommen, das ich wieder ins Bett mache und Windeln trage. Nachdem sie mir Hilfe anboten und mich nicht zum Arzt zwangen, haben wir nie wieder darüber gesprochen. War auch kein Thema bei Bekannten oder Freunden. Selbst meine Gummihosen oder Bodys, werden anstandslos gewaschen. Meine Windelbestellungen lasse ich fortan nach Hause schicken. Nicht jeder hat solche Eltern.

Für viele kommen Übernachtungen bei Bekannten oder Freunden nicht in Frage.  Die Scham und das Risiko ist wahrschein zu groß, sich in Windeln outen zu müssen. Aber grade dafür sind Windeln doch da. Für mich sind Übernachtungen dank Windeln ohne Probleme und zudem stressfrei  möglich. Zudem kommen peinliche Unfällen nur noch selten vor. Ich lasse mich von meiner Blasenschwäche jedenfalls nicht einschränken. Die meisten Freunde haben sich mittlerweile daran gewöhnt und unterstützen mich. Ich kann ohne Schutzunterwäsche nicht spontan übernachten. Habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt.

Aufgrund meiner Vorliebe zu Windeln, gehe ich mit meiner Harninkontinenz viel lockerer um, als vielleicht andere Betroffene es tun sollten. Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass ich mich von einigen meiner Freunde, nachts wickeln lasse oder mir die benutze Windel ausziehen. Mich stört das nicht. Habe sogar Gefallen daran. Man sich nicht unbedingt wickeln lassen, man sollte das TABU-Thema brechen. Viele Betroffene schweigen darüber und kapseln sich vom sozialen Leben ab. Ich finde, es ist der falsche Weg.

Natürlich finden die wenigsten es cool oder erotisch, wenn jemand noch in Windeln schlafen muss und regelmäßig einnässt. Es gibt auch Menschen den es eben nicht stört. Dennoch hat man es bei der Partnersuche deutlich schwieriger. Obwohl vor allem jüngere Menschen mit dem Thema Inkontinenz und Windeln mittlerweile toleranter umgehen. Es ist nahezu unmöglich Frauen kennenzulernen oder zu treffen, die aus irgendeinem Grund Windeln tragen. Gibt auch keine Möglichkeiten. In Selbsthilfegruppen findet man, wenn überhaupt nur ältere und auf Stammtischen oder Windeltreffen trauen sie sich erst gar nicht hin. Auf eine reine Männerbeziehung möchte ich trotzdem nicht einlassen. Da bleibe ich lieber Single, bis ich die richtige für mich gefunden habe.

Ich kann eigentlich zum Glück sagen, dass ich tagsüber trotz Reizblase selten Windeln tragen muss. Auf langen Ausflügen und Reisen bin ich zur Sicherheit gewickelt. So schütze ich mich vor peinlichen Unfällen. Zudem spare ich mir viele lästige Toilettengänge. Windeln bieten eben auch Vorteile. Aus Erfahrung kann ich sagen, das Windeln unter normaler Straßenkleidung nahezu unsichtbar sind. Bis jetzt wurde ich noch nie darauf angesprochen. Neugierige Blicke ernte ich jedoch schon mal, wenn sie mal zum Vorschein kam. Grade bei heißen Tagen, verzichte ich gerne auf Bodys oder Boxershorts.

Es gab nur wenige Momente in meinem Leben, wo mir mein Bettnässen wirklich peinlich war. Ich kann mich an zwei Situationen erinnern, was mir regelrechte Kopfschmerzen bereitete. Wer auf Windeln oder andere Hilfsmittel angewiesen ist, muss diese natürlich auch dann tragen, wenn man außerhalb oder bei Fremden übernachten muss. Beispielsweise während des Wehr- oder Zivildienstes. Das Risiko das mich Fremde in Windeln sehen könnten, wollte ich nicht eingehen und habe mich befreien lassen. Ja, es ist möglich. Allein die Logistik und Entsorgung würde eine große Herausforderung darstellen. Vom Wickeln mal abgesehen.

Doch wie es kommen musste. Lassen sich Krankenhausaufenthalte leider nicht vermeiden. Als fest stand, dass meine Mandeln entfernt werden mussten, blieb mir halt nichts anderes übrig. Wenn ich zurück denke, waren die Sorgen das mich jemand in Windeln sehen könnte, viel größer, als der komplette Aufenthalt. Über die schmerzen kann man natürlich Streiten. Windeln sind halt ein medizinisches Hilfsmittel und in Krankenhäuser völlig normal. Trotzdem war ich regelrecht überrascht, als die Schwestern und Praktikantin mich wickeln wollten. Vielleicht hätte ich mittlerweile eine Freundin, wenn ich den Zivildienst angetreten hätte. Meinen Erfahrungsbericht habe ich im Tagebuch geschildert.

Man muss seine Blasenschwäche nicht jeden unter die Nase reiben, wickeln lassen ist auch keine Voraussetzung, mache ich schließlich auch nicht. Doch schämen muss man sich heute schon gar nicht. Dank Hilfsmittel kann man in der Gesellschaft teilhaben. Am Anfang ist der Weg holprig, aber jeder Stein lässt sich wegräumen. So ist es auch mit den Hilfsmitteln. Wenn die Kasse nicht zahlt, muss man es eben selber finanzieren. Wenn man Arbeitslos ist, ist es natürlich schon schmerzhaft, gibt viele Wege wo man sparen kann. Nicht jede Kasse ist geizig. Es besteht die Option zu wechseln. Meine Kasse würde die Kosten übernehmen. Nehme es aber nicht in Anspruch, da ich gerne verschiedene Produkte tragen möchte. Hoffe dir hat mein Erfahrungsbericht gefallen.

Mit Inkontinenz leben